Faymann vs. van der Bellen

Zweite TV-Wahlkonfrontation im Rahmendes Nationalratswahlkampfes: Neo-Parteiobmann Werner Faymann sitzt Grünen-Altchef Alexander van der Bellen gegenüber. „Beide wollen regieren, aber mit wem?“ verspricht Konfrontationsleiterin Ingrid Thurnher vor der Konfrontation zu klären.

Gleich zu Beginn fragt Thurnher wie die beiden Politiker zu den Parteien der anderen stehen. Van der Bellen ist nicht überzeugt von der heutigen SPÖ. Aufbruchsstimmung soll noch früher geherrscht sein.
Faymann sieht die Grünen teilweise noch als linke Partei. Entdeckt allerdings doch sehr viele Parallelen.

Halbierung der Mehrwertsteuer bei Lebensmittel
In schlechtem Deutsch erklärt Faymann wie sich die SPÖ die Halbierung der Mehrwertsteuer bei Lebensmittel. Geplant ist eine Reduzierung im Handel, nicht in der Gastronomie. Wobei der Handel nicht verpflichtet werden kann die Mehrwertsteuer von zehn auf fünf Prozent zu senken.
Van der Bellen ist gegen diese Senkung. Die Kosten seien viel höher. Faymann wird sofort agressiv. Lässt van der Bellen kaum aussprechen und muss bereits nach wenigen Minuten von Thurnher zurecht gewiesen werden. Ein deutliches Zeichen der Unerfahrenheit, wie ich meine.
Van der Bellen sieht viel treffsichere Maßnahmen für die Schlechtverdiener. „Mit weit weniger Geld könnten wir Gratiskindergärten bieten.“

Familie, 13. Familienbeihilfe
Kosten: 50 Millionen Euro, ab der Geburt soll die Familie Familienbeihilfe bekommen. Van der Bellen steht voll und ganz hinter Faymanns Vorschlag. Faymanns Seitenhiebe gehen permanent in Richtung Wilhelm Molterer.
Gratiskindergarten ab dem ersten bis zum sechsten Lebensjahr wollen die Grünen. „Zwei Jahre Kindergarten wären schon wunderbar. Was Hänschen nicht lernt… Nicht das Geld soll den Besuch des Kindergartens verhindern.“
Im Gegensatz zum Vorschlag der Grünen möchte die SPÖ Gratiskindergarten, allerdings nur das letzte Jahr.

Studiengebühren
„Viele Familien haben es schwer die Studiengebühren zu zahlen.“ Faymann vergleicht die Maßnahmen an den Universitäten heute mit den Maßnahmen Kreiskys für die Schulen.
Van der Bellen ist ebenso für die Abschaffung der Studiengebühren und will mehr Studienabsolventen.

Flächendeckende LKW-Maut und Stopp für den Straßenbau sind Schlagworte im Grünen Verkehrs- und Infrastrukturprogramm. Bevorzugung des Öffentlichen Verkehrs soll intensiviert werden.
Faymann ist nicht abgeneigt. „Der Benzinpreis soll nicht so hoch werden, dass ihn sich keiner leisten kann.“
Als es zum Thema Klima kommt beginnt es zu brennen. Gleichzeitig reden die beiden Politiker. „Das ist ja lachhaft“, meint van der Bellen als Faymann seine zweiten Tunnelröhren lobt „die Tunnelröhren im Rahmen der Klimapolitik zu
nennen.“

„Ich habe mit dem neuen EU-Kurs der SPÖ ein ernstes Problem“, zitiert Thrunher van der Bellen. Van der Bellen geht es nicht nur um die Volksabstimmung. Wirklich schockiert hat ihn die Unterwerfung vor einem Medium.
Faymann ignoriert den Vorwurf sondern erklärt den EU-Schwenk der SPÖ.
„Worüber wollen Sie konkret abstimmen“, fragt Thurnher. Beantwortet hat Faymann die Frage nicht. Sondern wirft van der Bellen an den Kopf wieso er nicht so wie seine Hainburg-Vorgänger für eine Volksabstimmung ist. „Wir sind für eine Europaweite Volksabstimmung!“, erklärt van der Bellen. „Das sind europäische Fragen über die das europäische Volk in seiner Gesamtheit abstimmen muss.“

Ist eine gemeinsame Zukunft möglich?
Van der Bellen: „Wer mit uns ein Stück des Weges gehen will, dann gerne. Gerne die Sozialdemokraten. Ich habe aber auch nichts gegen die Volkspartei. Und ich habe heute erstmals die Lichter von Faymann in unsere Richtung blinken sehen.“
Faymann: „Ich habe nur gesagt mit wem wir nicht zusammenarbeiten wollen. Habe aber sonst keinerlei Koalitionen ausgeschlossen. Auch mit der Volkspartei nicht.“
„Und wenn die Kronen Zeitung sagt machen Sie das, dann würden Sie auch mit der FPÖ koalieren.“

Faymann

Fairness: 2
Inhalt: 4
Schlagfertigkeit: 2
Beantwortung der Fragen: 3
Auftreten: 3
Gesamt: 14

van der Bellen

Fairness: 4
Inhalt: 4
Schlagfertigkeit: 4
Beantwortung der Fragen: 4
Auftreten: 3
Gesamt: 19

Die Ruhe van der Bellens ist bewundernswert. Faymann war, obwohl sprachlich am Anfang recht unsicher, stärker als erwartet. Immerhin bestand er gegen den Großmeister der TV-Konfrontationen. Lediglich auf das Klimathema hätte er sich nicht einlassen dürfen. Hätte er die Cleverness eine Haiders oder die seines Gegners van der Bellen, dann hätte er das Thema tunlichst gemieden. Mit dem Knaller am Schluss „Und wenn die Kronen Zeitung sagt machen Sie das, dann würden Sie auch mit der FPÖ koalieren.“ hat van der Bellen auch einige unentschlossene Wähler für sich gewonnen.

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