Molterer vs. van der Bellen

Bei der Vorletzten Head-to-Head TV-Konfrontation anlässlich des Nationalratswahlkampfes 2008 saßen sich heute Abend Wilhelm Molterer und Alexander van der Bellen gegenüber. Ähnlich wie bei Faymann gegen Strache ist spannend, ob es eine beinharte Konfrontation oder Wettkuscheln wird.

Wilhelm Molterer hielt gleich zu Beginn der Konfrontation einen Vortrag über die Wichtigkeit der drei Säulen des Pensionssystems. Molterer meint, dass die österreichischen Banken gut aufgestellt sind. Es bestünde keine Gefahr.
Van der Bellen sieht das nicht ganz gleich. Die staatliche Pensionsvorsorge wäre für die Grünen die wichtigste Säule. Van der Bellen ist auch der Meinung, dass heuer weniger Geld in der Pensionskasse sein wird.
Molterer sieht, wie van der Bellen, die staatliche Pensionsvorsorge als wichtigste Säule. Allerdings sei es schwer, diese staatliche Pensionsvorsorge zu finanzieren.
Laut van der Bellen ist es wichtig, dass diejenigen, die die niedrigsten Pensionen bekommen, mehr bekommen müssen. „Die mit durchschnittlicher Pension haben mehr bekommen, als die mit geringer.“
„Da ist ein Fehler passiert“, gesteht Molterer ein. Solche Zugeständnisse waren bislang bei den Konfrontationen ungesehen.

Bildung
Van der Bellen würde sich eine andere Schule wünschen. „Aus mir ist etwas geworden, aber ob wegen der Schule aus mir etwas geworden ist, das weiß ich nicht.“ Individuelle Talente gehören mehr gefördert, die Schnittstelle mit zehn käme zu schnell, lauten die beiden Hauptanliegen in van der Bellens Bildungsprogramm. „Ministerin Gehrer sitzt mir wie ein Kloß im Hals. Es läuft uns die Zeit davon.“
Molterers Perspektive für das Bildungsland Österreich beginnt bei den Talenten der Kinder. „Die Menschen sollen wählen können, welchen Weg sie gehen wollen.“ Dieses Wählen beginnt für Molterer bei der Bildung. Durch ein verpflichtendes, aber kostenloses letztes Kindergartenjahr kämen die Schüler besser ausgebildet in die Volksschule. „Die Eltern sollen wählen können, welcher Weg für ihre Kinder am besten ist. Nur in der Bildung sind sie plötzlich für das Einheitsmodell.“
„Es ist interessant wie Molterer das Wort Wahlfreiheit interpretiert.“ Wahlfreiheit würde für van der Bellen bedeuten, ja ich will Familie und Kinder und nebenbei auch Karriere machen. Und dafür wären ganztägige Kindergärten und Ganztagsschulen wichtig.
Molterer will die Möglichkeit des Kindergartens für Kinder ab drei. Und, wie bereits gesagt, ein verpflichtendes Kindergartenjahr. „Wir wollen zwei“, meint van der Bellen. Molterer will, dass Kinder Kinder bleiben können. Das wäre in einem guten Kindergarten durchaus möglich, ist van der Bellens Standpunkt.
Molterer spricht sich eindeutig für das Sitzenbleiben aus. Van der Bellen meint, dass wären verlorene Jahre. „In einem Fach gehts besser, die anderen langweilen aber, weil alles schon gehört wurde.“

Homoehe
Es darf keine Diskriminierung geben für Menschen, die sich für eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft entscheiden. Dafür wären rechtliche Schritte noch notwendig. Adoption und medizinische Fortpflanzung sollen nicht möglich sein. Vor dem Standesamt soll eine gleichgeschlechtliche Ehe nicht geschlossen werden können. Partnerschaft von Mann und Frau ist für Molterer sehr wichtig.
Für die Grünen ist es ganz selbstverständlich: „Homos und Heteros sollen die gleichen Rechte und Pflichten haben.“ Wenn Homosexuelle das Bedürfnis haben sich das Ja-Wort zu sagen, dann sollen sie es sagen. „Es leben viele Kinder in solchen Partnerschaften. Und zwar aus früheren Ehen.“ Van der Bellen überreicht Molterer eine Karte von den Grünen Andersrum.

Ausländerpolitik
Es sollen nur die kommen dürfen, die wir brauchen können. Die wirtschaftliche Migration trennt die beiden Parteien, ist van der Bellen überzeugt. „Was in Österreich passiert, ist skandalös, sowohl sozialpolitisch als auch wirtschaftspolitisch.“
„Asylrecht ist ein heiliges Recht. Asylrecht darf nicht missbraucht werden. Sie treten auf für ein automatisches Bleiberecht“, wirft Molterer van der Bellen vor. „Nein. Ich erklärs Ihnen gern ein zwölftes Mal“, kommt prompt die Antwort van der Bellens.
Bei diesem Thema kommen Molterer und van der Bellen das erste Mal ins Streiten. „Mir reichts“, sagt van der Bellen. „Warum sind Sie denn so nervös?“ „Sie werden es wohl mir überlassen die grünen Punkte zu benennen.“

Molterer

Fairness: 5
Inhalt: 4
Schlagfertigkeit: 2
Beantwortung der Fragen: 3
Auftreten: 3
Gesamt: 17

van der Bellen

Fairness: 5
Inhalt: 4
Schlagfertigkeit: 3
Beantwortung der Fragen: 3
Auftreten: 3
Gesamt: 18

Konsens über Konsens. Van der Bellen und Molterer tragen ihre Themen abwechselnd und Hand in Hand vor. Zumindest über weite Teile. Punktsieg für van der Bellen, weil er zumindest dann, wenn die Meinungen wirklich unterschiedlich sind, bissig war.

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5 Antworten to “Molterer vs. van der Bellen”

  1. Das mit dem Punktesieg für Van der Bellen seh ich auch so, aber nicht weil er bei unterschiedlichen Meinungen bissiger war, sondern einfach die besseren Argumente gehabt hat. Wenn TV-Duelle durch Bissigkeit entschieden werden würden, hätten wir einen österreichischen Weltmeister, der normalerweise nur bei Heeressportmeisterschaften seinen Fixplatz hat.

    Molterer fällt, immer wenn es interessant wird, in die Rolle des Predigers zurück, der seine inhaltslosen Wahlkampffloskeln herunterdrischt. Dass er sich dabei selbst des Öfteren widerspricht (wir wollen Homosexuelle nicht diskriminieren, wollen aber auch keine Gleichstellung), scheint er leider selbst nicht zu bemerken.

    Van der Bellen hätte ihn heute ausknocken können – es nicht zu machen zeigt seinen Anstand.

  2. clemensticar Says:

    Auch mich haben vdBs Inhalte mehr überzeugt. Ich habe aber von Anfang an versucht nicht ausschließlich auf die Inhalte wert zu legene, sondern auf das Ganze. Auch was dein Beispiel die Homosexuellenehe betreffend angeht, gebe ich dir zu 100% Recht.
    Ich muss aber auch sagen, dass ich Molterer schon viel viel schlechter erlebz habe und er auch schon viel viel mehr den Prediger hinaushängen hat lassen.

  3. Für mich ein klarer Punktesieg von VdB. Molterer verkörpert par excellence das ewiggestrige Gesellschaftsbild der ÖVP. Er wirkte schlichtweg unglaubwürdig, denn einerseits ist er gegen jede Art von Diskriminierung, aber Ehe für Schwule und Lesben, am Standesamt? Nein, das dürfen sie klarerweise nicht. Entschuldigen Sie Hr. Molterer, wenn das keine Diskriminierung ist, was dann?

    VdB wirkte bissiger und besser vorbereitet. Er hatte mMn auch die besseren Argumente auf Molterers Ausführungen.

  4. clemensticar Says:

    Wie gesagt: VdB war besser. In gewissen Dingen war aber auch Molterer überzeugend.
    Klar, das ewiggestrige der ÖVP was Homoehe, aber auch Bildung anbelangt sind Punkte für VdB.
    Trotzdem, so viel schlechter war Molterer nicht.
    Und ich bin definitiv der Überzeugung, dass sich Molterer und VdB gut ergänzen würden…

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