Gusenbauer in der Pressestunde

Gewohnt eloquent präsentierte sich Alfred Gusenbauer in der Pressestunde. Ihm gegenüber saßen Hans Bürger vom ORF und Alexandra Föderl-Schmid, Chefredakteurin von Der Standard (die auch die Pressestunde mit Jörg Haider mitgestaltete). Den Beginn des Gespräches bildete die Finanzkrise – auch Alfred Gusenbauer hat keine Erklärung. Wenig verwunderlich. Wer versteht denn die Finanzkrise schon? Einzig die Tatsache, dass Österreich besser aufgestellt ist als andere Länder,ist eine, die Gusenbauer nicht müde wird zu betonen. Die Sparbücher in Österreich sind sicher. Haider, Strache und auch Faymann wären am besten Weg der Bevölkerung anderes zu signalisieren.
„Minister Bartenstein hat schon am Freitag ein Konjunkturpaket vorgelegt“ meint Föderl-Schmid und fragt Gusenbauer ob das mit ihm abgesprochen ist. Gusenbauer lacht. „Wenn Sie sagen schon am Freitag, regt mich das doch zum Schmunzeln an.“
„Möglichst rasch eine neue Regierung und möglichst rasch ein gemeinsames Konjunkturpaket beschließen“, lautet die Forderung Gusenbauers.

Wieder beginnt Gusenbauer zu lachen. Hans Bürger hat ein Interview mit ihm zitiert das ihm morgigen profil erscheinen wird. „Ich finde das super, dass sie mich selbst zitieren. Da weiß ich was ich mir gedacht habe.“ In der Wahlniederlage sieht Gusenbauer keine inhaltliche Abwahl sondern eine Parteitaktiscshe.

Hans Bürger in Hochform: „Was haben Sie sich am Sonntag eigentlich gedacht? Ich mein, ich kann jetzt leider nicht sagen, wir sind unter uns.“ Wieder ein Lacher. Ich habe selten so eine lustige Pressestunde gesehen.
Die Gefühle der Wehmut, Schadenfreude etc wären Gusenbauer fremd, meint er zu der von Bürger gestellten Frage.

Das die Stimmen die die großen Parteien verlieren irgendwo hinmüssen, liegt auf der Hand. Die Grünen wären nicht mehr die Protestpartei, die sie mal waren. Den Stimmenzuwachs für FPÖ und BZÖ interpretiert Gusenbauer nicht als den extremen Rechtsruck wie er teilweise kommuniziert wird (ob er das hier meint?).
Das Wahlverhalten der Jugendlichen ist ein alarmierendes Zeichen (von 100 Jugendlichen wählen 43 FPÖ und BZÖ, nur 14 die SPÖ).
Straches Wahlkampf auf cool und rotzig sei bei den Jungwählern einfach gut angekommen.

Ganz wie Willi Molterer klärt Gusenbauer Hans Bürger auf: „Das tut man nicht.“ Es ging um den Grund weshalb Gusenbauer nicht über mögliche Koalitionen spricht.

Europapolitik der SPÖ sei eine Bedingung für ein SPÖ-Abkommen. Man muss nicht so zurückhaltend sein und nur alle 25 Jahre eine Volksabstimmmung machen. Gusenbauer ist der Meinung, dass das nächste Mal wenn es um Europa geht eine Abstimmung der Fall sein wird.

Die Wege entstehen im Gehen? Wo geht ihr Weg denn hin, fragt Hans Bürger.
Gusenbauer wird sein Amt als Bundeskanzler so lange machen wie es notwendig ist. Man kann davon ausgehen, dass Gusenbauer nicht der nächsten Regierung angehören wird. Er wird in europäischer Wirtschaft, europäischer Politik oder in der europäischen Wissenschaft zu finden sein.

Auch wenn Gusenbauer nicht so schön ist wie Faymann, der bessere Kandidat ist er allemal. Ich habe selten eine Pressestunde gesehen, in der ein Politiker so locker aus dem Nähkästchen geplaudert hat, aber trotzdem Inhalte kommuniziert.

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4 Antworten to “Gusenbauer in der Pressestunde”

  1. „Ich habe selten eine Pressestunde gesehen, in der ein Politiker so locker aus dem Nähkästchen geplaudert hat, aber trotzdem Inhalte kommuniziert.“

    Na wenn er in seiner aktuellen Position nicht locker plaudern kann, wann dann? Keiner will ihn mehr, keiner braucht ihn mehr und sehen tut ihn auch kaum jemand mehr.
    Als Wahlkämpfer (und Faymann kennt man kaum anders) hätte auch Gusenbauer das Nähkästchen geschlossen lassen müssen.

    Auch wenn ich es ganz und gar nicht goutiere, wie man mit Gusenbauer nach dessen Abwahl als SPÖ-Chef innerparteilich aber auch medial umgegangen ist, muss man trotzdem festhalten, dass er es einfach nicht schaffte, eine Regierung zu leiten und „politische Inhalte an die Bevölkerung zu kommunizieren“. Stattdessen gab es einen Patzer nach dem anderen – auch aus rhetorischer Sicht (Gesudere, Abgeordnetenarbeit, EU-Richtung der SPÖ, Barolo statt Barroso etc.).

    Das kann er leider auch mit einer guten Pressestunde nicht gut machen.

  2. clemensticar Says:

    Ich gebe dir in jedem Punkt Recht. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb war ich von der Performance Gusenbauers positiv überrascht. Denn immerhin ist er noch Bundeskanzler.
    Ich bin mir nicht einmal sicher, dass jemand in seiner Situation sich bereit erklärt in der Pressestunde aufzutreten.
    Klar, wie du gesagt hast, es ist einiges schief gegangen. Ich halte ihn trotzdem für einen fähigeren Mann als Faymann.

  3. bitte da sieht man wieder wann die wahrheit gesprochen wird, jetzt macht er es und vorher hat er uns belogen und ihr seht darin noch etwas positives?? das it ja das problem, wir vergessen viel zu schnell und nach einer stunde ist er wieder der held!

    http://www.neolandeshauptmann.com

  4. clemensticar Says:

    Ich habe nie das Wort Held verwendet. Und auch nicht vergessen. Mir hat nur sein Auftritt in der Pressestunde gefallen. Und: Ich halte ihn für besser weil intelligenter als Faymann.

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