Ein Brief oder Zensur auf Österreichisch

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Band geehrter Herr Bundesminister Hahn,

Heuer im Sommer habe ich einen Tag in der Justizvollzugsanstalt Karlau verbracht um eine Reportage zu verfassen. Dieser Text war die Abschlussarbeit in einer Lehrveranstaltung an der FH JOANNEUM, ich studiere dort Journalismus und Unternehmenskommunikation.

Vor etwas mehr als zwei Monaten beschloss ich diesen Text an den Falter zu verkaufen. Wie vereinbart habe ich die Reportage vorher an die Pressestelle des Justizministeriums geschickt. Darum wurde ich gebeten, es würde sich allerdings nur um Förmlichkeiten handeln wurde mir erklärt, als ich um die Erlaubnis ansuchte einen Tag in der Justizvollzugsanstalt zu verbringen.

Voller Vorfreude habe ich auf das E-Mail gewartet, dass mir erlaubt die Reportage zu veröffentlichen. Das kam aber nicht, ganz im Gegenteil. Ihre Pressesprecherin teilte mir freundlich mit, dass sie nach Absprache mit Kollegen meine, ich würde Klischees die der Strafvollzug hat verstärken anstatt sie zu entkräften. Ich muss Ihnen sagen Frau Herr Bundesminister, wenn ich einen Tag in der Karlau verbringe um eine Reportage über den Strafvollzug in österreichischen Gefängnissen zu verfassen, dann sehe ich es nicht als meine Aufgabe Klischees zu entkräften. Das ist wohl eher die Aufgabe ihrer Kommunikationsabteilung.

Ich bin gerne bereit Ihnen ein Konzept zu verfassen, dass dazu beiträgt die Klischees im Strafvollzug zu minimieren. Zwei Dinge kann ich Ihnen aber versichern:

  1. Das Konzept wird mehr kosten als die Reportage dem Falter gekostet hätte.
  2. In dem Konzept wird klipp und klar drinnen stehen, dass Texte über den Strafvollzug veröffentlicht werden – Klischee hin und her. Wie soll man Klischees denn los werden wenn Sie nicht thematisiert werden? Und glauben Sie mir Frau Herr Bundesminister, die Karlau kam in meinem Text nicht schlecht weg.

Wenn das Justizministerium allerdings der Meinung ist, Texte über den Strafvollzug verbieten zensurieren verbieten muss, dann bleibt mir nichts anderes übrig als das zu Kenntnis zu nehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Clemens Ticar

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6 Antworten to “Ein Brief oder Zensur auf Österreichisch”

  1. Ganz eine blöde Frage: un wenn Dus einfach trotzdem veröffentlichst?

    Natürlich, wenn Du Journalist werden willst, dann ists vielleicht blöd wegen zukünftiger Jobs. Aber ansonsten könnt kaum was passieren, oder?

  2. clemensticar Says:

    Erstens wegen zukünftiger Jobs, ja…
    Außerdem hab ich nicht wirklich Lust es mir mit dem Justizministerium zu verscherzen. Zusätzlich dazu: Das Medium zu finden das eine Reportage veröffentlicht die man eigentlich nicht veröffentlichen hätte dürfen/sollen ist auch nicht leicht zu finden.
    Aber sobald Bandion-Ortner angelobt ist kriegt sie auch einen Brief – aber einen anderen…

  3. Aber mal so grundsätzlich: wirklich illegal wär das nicht, oder könnte das Justizministerium die Veröffentlichung tatsächlich verbieten? Und unter was für einem juristisch relevanten Vorwand?

  4. clemensticar Says:

    Da muss ich zugeben bin ich mir selbst nicht ganz so sicher – aber ich nehme an, dass es daran liegt, dass die Justizvollzugsanstalten in Österreich keine öffentlichen Gebäude sind. Aber wie gesagt, das ist rein spekuliert. Fakt ist: als ich beim Justizministerium angefragt habe ob ich eine Reportage aus der Karlau schreiben darf, es hat nicht gereicht in der Justizvollzugsanstalt Karlau nachzufragen, und mich dann erkundigte wie es denn im Falle einer Veröffentlichung ausschaue wurde mir erklärt, dass ich das OK des Justizministeriums bekomme. (Und das es sich um eine reine Formalität handle)

  5. denkerschmiede Says:

    wenn du die erlaubnis hattest dort für einen tag zu sein um eine reportage zu machen können sie es auch nimmer verhindern.

    ich selbst war schon als pressesprecher tätig und das ist nur ein versuch es zu verhindern aber rechtlich haben sie keine handhabe.

  6. clemensticar Says:

    Danke für die Info, nichtsdestotrotz möchte ich es mir nicht mit dem Justizministerium (oder irgendjemand anderem verscherzen). Immerhin will ich irgendwann mit Journalismus meine Brötchen verdienen.
    Sobald Bandion Ortner angelobt ist, bekommt sie aber einen Brief von mir indem ich klipp und klar begründet haben will woran das Go des Justizministeriums gescheitert ist.
    Ich hab nämlich der Pressesprecherin gleich nach der Absage ein E-Mail geschrieben um herauszufinden woran sich die Herrschaften gestoßen haben – ich habe keine Antwort bekommen.

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