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Macht Journalismus Demokratie krank?

Posted in Österreich, Medien, Politik with tags , , , , , , , , , on Oktober 28, 2008 by clemensticar

Macht Journalismus Demokratie krank lautet der Titel der heutigen von der ÖVP organisierten Diskussionsrunde – über Macht und Mediendemokratie. Peter Bermann leitet wie gewohnt die Diskussion – Diskutanten sind Christoph Biró, Kronen Zeitung, Michael Frank, Österreich-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, Eva Weissenberger, Kleine Zeitung und der Kommunikationswissenschaftler Peter Plaikner.

Hier gibts das Video zur Veranstaltung.

Wieder beruft sich Bermann auf wikipedia „es soll ja noch genauer sein als der Brockhaus“, als er alle Diskutanten auf Detail genau vorstellt – so kommt etwa heraus, dass Christoph Biró 23 Jahre alt war, als er maturierte.

Fühlen sich die Herrschaften als vierte Gewalt?

Frank meint, sich als vierte Gewalt zu fühlen ist ein Schritt in eine ganz verkehrte Richtung – eine Fehleinschätzung der eigenen Aufgabe. Der Journalist hat die eigentliche Macht im Staat, nämlich die Menschen, zu kräftigen. Politik beschreiben und nicht betreiben – betreiben ist nicht die eigentliche Aufgabe der Medien.

Weissenberger meint, dass die Kleine Zeitung in der Steiermark mächtig ist, sie gibt Frank Recht, der Journalist darf sich nicht als Politikmacher sehen – die Glaubwürdigkeit darf nicht ausgenutzt werden. Sie betont die Meinungsvielfalt der Kleinen Zeitung und meint sie ist gespannt, was Christoph Biró dazu sagt.

Biró sieht nicht sehr viel Einfluss der Medien – immerhin hat die Krone einen Mitte-Links-Kandidaten unterstützt, die Rechten haben aber gewonnen. Der Begriff Macht müsste durch Einfluss ersetzt werden.

Plaikner will nicht nur die Krone festnageln. Er sieht die Verknüpfung zwischen Auflage und Einfluss nicht ganz – das hängt durchaus von der Zielgruppe ab. Zusätzlich meint er, dass nicht der einzelne Journalist über Macht verfügt, durchaus aber das Medium.

Frank weist auf die Seite in der Krone kurz vor der Wahl hin, wo erklärt wurde, welche Partei Tiere wählen würden – er hat das Gefühl, dass die Krone selbiges auch mit Menschen machen würde – nämlich das schreiben, was der Mensch denkt.
Krone und Bild kann man nicht vergleichen – die Bild hätte immerhin Humor!

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„Volkspartei ohne Volk“

Posted in Österreich, Politik, Steiermark with tags , , , on September 30, 2008 by clemensticar

In der Landesparteizentrale der steirischen Volkspartei findet heute Abend eine Diskussion statt. Thema: „Volkspartei ohne Volk“. Spannend finde ich, dass das Thema bereits vor der Wahl feststand. Weise Voraussicht? Oder doch nur purer Zufall?

Kommunikationsberaterin Heidi Glück, Kurier Redakteurin Dr. Anneliese Rohrer, Politikberater Dr. Thomas Hofer und Meinungsforscher (Fessel-GfK) Univ.-Doz. Dr. Peter Ulram diskutieren, Mag. Peter Bermann moderiert.

Zu Beginn Musik, die ÖVP-Situation trefflichst beschreibend: „Spiel mir das Lied vom Tod“. Hannes Kartnig ist ein unerwarteter Gast (vielleicht wurde wegen ihm das Lied gespielt???). Peter Bermann betritt in super Kleidung die Bühne. Violetter Pullover, orange Hose, gelbe Socken, grüne Brille – ein Hingucker, zweifelsohne.

SMS-Umfrage bei steirischen ÖVP-Funktionären: 32,5% Regierung; 67,5% Opposition.
„Im Anschluss wird zu einem Trauermahl, oder einem Wiederauferstehungsessen geladen – je nach Verlauf der Diskussion“, meint Bermann, der gleich im Anschluss wikipedia zitiert und sich kaum später wundert, dass Daten nicht stimmen.

Rohrer bewundert alle, dass sie nach dem „Overkill“ nach der letzten Wahl noch Interesse an Politik haben. Und fügt hinzu, dass die Volkspartei noch nie freiwillig in die Opposition gegangen ist. Aber sie lässt sich gerne überraschen.
Am Scheitern der Regierung gibt sie auch den Journalisten Schuld – die Regierung wäre vom ersten Tag an in Grund und Boden geschrieben worden.

Glück meint, die Volkspartei wäre einfach unvorbereitet gewesen. Man wusst bereits über die Situation in der Regierung. Daher hätte man sich als Partei überlegen müssen, was man dann aus dem Hut zaubern kann. Und als Molterer meinte: „Es reicht“, wären alle auf Urlaub gegangen. Der Wahlkampf der ÖVP wäre eine Katastrophe gewesen, die Plakate hätten nicht nur Experten sondern auch von Rezipienten wirklich schlecht gefunden.

Ulram sieht in seinem Alter einen Vorteil: es häufen sich die deja vu-Erlebnisse. Und heuer wäre sehr ähnlich 1999 gewesen.
SPÖ und ÖVP haben bei den Jungwählern kaum Stimmen, die FPÖ ist mit Abstand die stärkste Partei. Selbes Bild gibt es bei Arbeitern und einfachen Angestellten. Und genau das wäre ähnlich 1999.

Hofer sieht nicht, dass die Journalisten die Regierung zerstört hätten. Das Cover des profils wäre schwer daneben. Heil hätte man sich nur nicht getraut dazu zu schreiben, meint Hofer.
SPÖ und ÖVP haben sich die Situation in der sie waren ganz alleine selbst zuzuschreiben. Die Journalisten haben nichts runtergeschrieben, wenn es etwas runterzuschreiben gibt, dann darf man das auch.
Im Wahlkampf wäre die ÖVP nicht zu verschonen – man habe alles falsch gemacht. Der Satz der SPÖ war: Wir wollen Österreich sozialer machen.  Den Satz der ÖVP kann keiner nennen (War da denn überhaupt etwas außer: Es reicht?).

Rohrer erzählt über die Stimmung des „Es reicht“-Tages. Die ÖVP-Funktionäre hätten gefeiert als ob man die Wahl gewonnen habe. Und niemand hat überlegt, wer mag uns denn eigentlich?

Agenda cutting würde man die 5-Punkte der SPÖ nennen, erzählt König. Denn nur kurz davor kam der Rechnungshofbericht und alles richtete sich gegen Darabos. Das galt es medial zu übertrumpfen.

Außer von Jörg Haider (der sich im Fernsehen fühlt wie der Fisch im Wasser) hätte man von keinem das Gefühl er fühle sich wohl. Da hat man den Eindruck sie gehen zum Zahnarzt. Meint zumindest Klubobmann Christopher Drexler. Ich nicht.

Mehrheitswahlrecht (Relativierung des Leitartikels)? Wenn, dann Persönlichkeitskonzentriert. Wenn, dann 50% minus einen Sitz, meint Hofer.